Chorreise 2014

Chorreise des Evangelischen Kirchenchors Küsnacht

Samstag, 6. September 2014

Bericht Chorreise2014  (pdf 320 KB)

Herr Roger Gerber vom Carunternehmen Müller, Erlenbach, startete mit 35 Personen – Aktiven, Passiven, Ehrenmitglieder und „guten Geistern“ aus dem Umfeld des Chors um 07.42 Uhr zur Fahrt über die Forch, wo die Nebelschwaden über dem Greifensee wogten und aus den Tälern aufstiegen, winzige Wölkchen zierten den Himmel und deckten ihn teilweise zu. In Hinwil (Originalton des Chauffeurs: würgte er den Bus unter der Dampfbahnbrücke hindurch. Um 08.18 Uhr passierten wir Neuthal, wo Herr Gerber uns darauf aufmerksam machte, dass hier eines der Sozialwerke von Pfarrer Sieber beheimatet ist. Weiter ging es nach Bauma, Steg und über die Hulftegg (945 M.ü.M.). Auf dieser Strecke waren die steilen Felswände mit Netzen bespannt, die mit Erde ausgefüllt und begrünt waren; andere wiederum waren mit Beton verfestigt. In Mühlrüti amüsierten wir uns über das Schild am Gasthaus Hirschen, das uns informierte, dass das Lokal nur am Sonntag nach dem Gottesdienst geöffnet sei! Ueber Mosnang, Lütisburg (alte Holzbrücke über die Thur) fuhren wir nach Müselbach, wo wir uns im Gasthof Rose mit Kaffee und Gipfeli stärkten. Nicht zu Unrecht trägt er diesen Namen: viele Rosenstöcke mit herrlichen Blumen, die z.T. wundervoll dufteten, waren ums Haus angepflanzt. – So recht in „Mostindien“ fühlten wir uns als wir bei Affeltrangen um den Kreisel fuhren, der mit einem riesigen Apfel geschmückt ist.

Es könnten noch viele Gemeindenamen aufgezeichnet werden, die wir selten oder nie gehört haben, wie Kirchberg, Gähwil, Bronschhofen, Bäniken, Engwilen, Kemmental etc.

Dann führte unser Weg über den Seerücken, wo wir die schöne Sicht auf den Bodensee mit Kreuzlingen und Konstanz genossen. In Kreuzlingen besammelten wir uns in der Pfarr- und ehemaligen Klosterkirche St. Ulrich und St. Afra. Da kam von rechts die Bemerkung: „in der Kirche soll man sich sammeln und nicht besammeln!“ Herr Benno Müller, der Sigrist führte uns durch die Kirche und erzählte viel Interessantes über die Geschichte des Klosters. Das Augustinerchorherrenstift wurde im Jahre 1120-25 von Bischof Ulrich I. von Konstanz (1111 – 1127) gegründet. Er stellte es unter den Schutz des hl. Ulrich und der hl. Afra: ein typisch augsburgisches Patronat. 1848 wurde das Stift, nach wechselvoller Geschichte vom Kanton Thurgau aufgehoben und im Kloster das kantonale Lehrerseminar eingerichtet. Wer sich genauer über die Geschichte und Baugeschichte informieren möchte, dem sei das Heft „Kreuzlingen“ empfohlen.

DSC07241 - Arbeitskopie 2

Eingehend befassten wir uns mit der Oelbergkapelle. 1759 übergab der Konstanzer Kunstschlosser Jakob Hoffner dem Chorherrenstift von Kreuzlingen die geschnitzten Figuren der Passionsgeschichte gegen eine zwanzigjährige Rente: wöchentlich sicherte diese ihm Brot und Mehl aus der Klosterbäckerei zu. 4000 Gulden sollen die Figuren gekostet haben. Das Kloster veranlasste den Bau der Kapelle, deren Grundstein 1760 von Abt Prosper Donderer gelegt wurde. Ursprünglich zählte der Oelberg etwas 320 Figuren. 1963 wurden Kirche und ehemaliges Kloster von einem verheerenden Brand heimgesucht. 44 Figuren wurden völlig vernichtet, andere waren in schlechtem Zustand oder teilweise beschädigt. Im Verlauf von drei Jahrzehnten ergänzte der Kreuzlinger Bildschnitzer Hewrmann Kohler fehlende Teile der Figuren. Während die Originale aus Zirbelholz gefertigt sind, wurden die Ergänzungen aus Lindenholz geschnitzt. Übrigens, auch über die Oelbergkapelle existiert ein eindrückliches Heft.

Am Ende der Führung kamen wir in den Genuss eines kurzen Orgelkonzerts von unserem Dirigenten Jürg Tobler. Als erstes hörten wir das Pastorale von Lefebure und dann, vom Zeitgenossen Bachs, Claude D’Aquin: Coucou.

Um 11.55 Uhr ging es weiter nach Mannenbach, wo für unser Car mit Kisten ein Parkplatz am Schatten freigehalten worden war. Im Seehotel Schiff direkt am Wasser genossen wir erst einen Aperitif im Garten mit wunderschönem Blick über den Bodensee und erst noch bei tollem Sonnenschein (und das in diesem Sommer??), Nachher wurden wir in den Saal geleitet. Das gute Essen an sechs Sechsertischen schmeckte allen bestens und wurde mit fröhlichen Gesprächen und viel Gelächter gewürzt.
Um 15.18 Uhr fuhren wir dem See entlang nach Kreuzlingen zurück und weiter nach Kesswil, wo wir Richtung Amriswil, Herisau und die Schwägalp abbogen. Wir bewunderten die hübschen Wolkengebilde, eines davon glich einem überdimensionieren Ambos. Links und rechts gab es grosse, mit Hagelnetzen geschützte Apfelkulturen. Je weiter wir gegen die Schwägalp kamen, desto schwärzer wurden die Wolken. Als wir kurz nach fünf Uhr auf 1900 Meter ankamen, regnete es ausgiebig. Von Alt St. Johann aus sahen wir am Säntis einen Regenbogen aufsteigen. Oberhalb Wattwil bemerkten wir das Kloster Maria der Engel, Susi Schrepfer hat uns seinerzeit, als sie von ihren Jugenderinnerungen sprach davon erzählt. Seit vielen Jahren schon ist es verwaist, weil nur noch sieben alte Nonnen dort wohnten. Kurz nach dem Ricken, es war längst wieder trocken, machte uns unser Chauffeur auf ein im Blumenmeer stehendes Haus aufmerksam. Immer wieder eine Augenweide.

Noch einmal gab es einen kurzen Regenschauer, im Bus bei gemütlichem Geplauder, störte das aber niemanden. Jedenfalls konnten wir, nach herzlichem Dank an die Organisatoren, Gaby und Heini Münger, trockenen Fusses nach Hause spazieren.

Es war ein wunderschöner Tag, der sicher allen viel gegeben hat.
Annemarie Voegeli-Gohl